Führungsgeschichte von Longa Dressler

Führungsgeschichte von Longa Dressler

In einem Kloster lebte ein bescheidener Novize mit dem Namen Chiing. Er arbeitete hart, meditierte viel und trainierte alles, was ihm aufgetragen wurde. Nach einigen Jahren sah der Meister wie sehr der Novize von anderen Schülern respektiert wurde und wie treu er an Gott glaubte.

Also berief er Chiing in die Verantwortung die anderen Novizen anzuleiten, zu organisieren und sie zu leiten, wenn sie Probleme oder Sorgen hätten.

Gesagt, getan. Es war eine gute Entscheidung, denn Chiing bewältige die Aufgabe sehr gut. Wenn er unsicher war, ging er zum Meister, stellte seine Frage und hörte sehr aufmerksam zu. Schnell konnte fehlendes Wissen ergänzt werden.

Doch eines Tages kam ein neuer Novize ins Kloster. Marut war der Sohn reicher Eltern, verwöhnt mit keinerlei Erfahrung zu arbeiten und unfähig einfache Menschen zu respektieren.

Trotzdem berief der Meister Marut sofort in die Verantwortung die anderen Novizen zu organisieren und anzuleiten. Chiing sollte von nun an in der Küche arbeiten und die Mahlzeiten zubereiten. Obwohl er sehr unglücklich und traurig war, akzeptierte Chiing die Entscheidung des Meisters.

Aber alle anderen Schüler kamen weiter zu Chiing, sie fragten nach seiner Meinung, seinem Rat und baten um Hilfe. Und selbst wenn er sagte, dass sie zu Marut gehen sollten, kamen sie zu ihm.

Marut war sehr unfreundlich, ungeduldig und nicht fähig die tägliche Arbeit zu organisieren. Chiing konnte nicht aufhören die anderen Novizen zu unterstützen, er hatte automatisch gute Ideen und nebenbei ein tröstendes Wort, wenn ein Schüler Sorgen hatte.

Marut wurde sehr eifersüchtig und sagte Chiing, er solle alle in Ruhe lassen, sich um seine eigene Arbeit kümmern und sich vor allem nicht in Entscheidungen einmischen. Nun war Chiing nicht nur traurig, sondern wütend.

Wie konnte der Meister nur einem so verwöhnten und schwachen Menschen wichtige Verantwortung übergeben?

Er versuchte seine Gefühle zu verstecken, aber der Meister, ein weiser Mann, wusste stets genau, was in den Köpfen und Herzen seiner Schüler vorging.

Also ging er zu Chiing und sprach mit ihm:

„Chiing, ich wollte euch beide etwas lehren. Ich weiss, meine Entscheidung erscheint unlogisch und vielleicht sogar gefährlich, was den Ablauf der täglichen Arbeit im Kloster angeht. Aber höre mir zu. Wenn jemand eine Führungsperson ist wie du , braucht er keine Position, keinen Status. Persönlichkeiten führen und die Menschen drumherum spüren und akzeptieren es. Wenn jemand keine Führungsperson ist, braucht er eine Position oder einen Status dafür. So dass Menschen den Neuanfänger anfänglich akzeptieren können und die Person eine Möglichkeit hat Führung zu üben. Langfristig hilft die Position nicht, wenn die Person nicht hart an sich arbeiten will und bereit ist zu lernen.”

Chiing verstand sofort, dass der Meister weise war und bot an Marut zu helfen, die Rolle der Führung zu lernen.

Der Meister lächelte und sagte:

„Du bist eine wirkliche Fürungsperson, du hast es durch dein Angebot gezeigt. Du hast deine Aufgabe verstanden und das gelernt was ich dich hiermit lehren wollte. Nun ist es aber erst einmal wichtig, dass Marut seine Aufgabe lernt. Zuerst muss er begreifen, dass keine Position und Hierarchie dabei helfen eine wirkliche Führungsperson zu sein. Und dass eine wirkliche Führungspersönlichkeit nicht wartet, bis ihr Hilfe aufgezwungen wird , sondern um Hilfe bittet.“

Und Chiing verstand, dass es noch etwas Geduld bedurfte, bis es soweit war. Aber von nun an konnte er wieder zufrieden seiner Arbeit nachgehen.

Intercultural Communication and Cooperation (MA), Professional Coach, post-graduate Change-Manager, Organisational Structuralist, Sports Trainer, Self-employed.

Intercultural Communication and Cooperation (MA), Professional Coach, post-graduate Change-Manager, Organisational Structuralist, Sports Trainer, Self-employed.